Vom Glück der kleinen Dinge: Über eine überraschende Begegnung mit einem alten Freund
Vor ein paar Tagen war ich unterwegs, um noch einige Dinge für meine Praxis zu besorgen. In einem Laden, direkt neben der Kasse, schaute mich plötzlich ein kleiner brauner Teddybär an. Ich traute meinen Augen kaum. Er sah genauso aus wie mein Teddy, den ich als kleines Mädchen so sehr geliebt und irgendwann auf dem Weg ins Erwachsenwerden verloren hatte.
Ich musste vor Freude laut lachen. Die Dame an der Kasse schaute mich ganz verwundert an. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich gerade einen alten Freund wiedergefunden hatte.

Diese kleine Begegnung hat mir unglaublich viel Freude geschenkt. Ein wunderbares Gefühl von Wärme, Glück und Vertrautheit, das mich noch den ganzen Tag begleitet hat.
Für mich war dieser kleine Teddybär auch ein liebevolles Zeichen des Universums. Eine Erinnerung daran, wie schön es ist, bewusst und absichtslos durchs Leben zu gehen. Mit offenen Augen, ohne Erwartungen und voller Vertrauen in das, was uns begegnet.
In den Tagen danach habe ich noch oft an diese Begegnung gedacht. Besonders an die Freude, die mir diese kleine Bär geschenkt hat, und daran, wie wenig es braucht, um sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen.
Als Kinder gelingt uns das oft selbstverständlich. Wir entdecken die Welt mit einer großen Neugier. Wir sammeln Steine, springen in Pfützen, beobachten Ameisen oder tanzen ausgelassen durch das Wohnzimmer. Wir erfinden Geschichten und verlieren uns im Spiel, ohne darüber nachzudenken, ob das, was wir gerade tun, irgendeinen Sinn erfüllt. Wir sind ganz im Augenblick, offen für alles, was es zu entdecken gibt.
Mit dem Älterwerden verändert sich unser Blick auf die Welt. Wir sammeln Erfahrungen, lernen dazu und entdecken immer mehr, was das Leben von uns verlangt. Schon früh begegnen uns Erwartungen und Vorstellungen, davon wie wir sein sollten. Wir hören Sätze wie „Sei vernünftig“, „Stell dich nicht so an“ oder „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Wir spüren, welche Verhaltensweisen Anerkennung finden und mit welchen Seiten von uns wir lieber zurückhaltend sein sollten.
Nach und nach lernen wir, uns anzupassen, Erwartungen zu erfüllen und unsere eigenen Wünsche zurückzustellen. Während wir immer besser darin werden, den Anforderungen des Lebens gerecht zu werden, verlieren wir mitunter etwas sehr Wertvolles aus den Augen: die Freude an den kleinen Dingen, die uns als Kinder so selbstverständlich begleitet hat.
Unsere Tage füllen sich mit Verpflichtungen, Terminen und Aufgaben. Selbst wenn wir einmal Zeit für uns haben, fällt es uns häufig schwer, diese einfach zu genießen, ohne an das zu denken, was noch erledigt werden müsste.
Irgendwann wissen wir ziemlich genau, was wir alles müssen. Doch wissen wir noch, was wir wirklich wollen?
Diese Frage begegnet mir auch in meiner Arbeit immer wieder. In meinen Coachings und Seminaren erlebe ich vor allem Frauen, die über viele Jahre funktioniert haben. Sie haben Verantwortung getragen, sich um andere gekümmert und versucht, möglichst allem und jedem gerecht zu werden.
Besonders berühren mich die Momente, in denen sie beginnen, sich wieder mit ihren eigenen Wünschen und Träumen zu beschäftigen. Bei der Arbeit mit Vision Boards sammeln sie Bilder, spüren ihren Sehnsüchten nach und stellen sich vor, wie ihr Leben aussehen könnte, wenn für einen Augenblick alles möglich wäre. Plötzlich tauchen Träume auf, die sie längst vergessen glaubten. Eine Frau erinnert sich daran, wie gerne sie als Kind gemalt hat. Eine andere erzählt von ihrer Liebe zum Tanzen, wieder eine andere von ihrem Wunsch, irgendwann am Meer zu leben.
Während sie erzählen, beginnen ihre Augen zu leuchten, ihre Stimmen werden lebendiger. Da ist auf einmal eine Begeisterung, die im Alltag kaum noch Platz hatte. Ich liebe diese Augenblicke, weil darin etwas von der kindlichen Freude sichtbar wird, die wir auf unserem Weg ins Erwachsenenleben so leicht aus den Augen verlieren.
Doch häufig dauert es nicht lange, bis die ersten Zweifel auftauchen.
Bin ich dafür nicht zu alt? Kann ich mir das überhaupt leisten? Was werden die anderen denken? Ist das nicht vollkommen unrealistisch?
Ich frage mich dann oft, wann wir eigentlich begonnen haben, unsere eigenen Wünsche so schnell infrage zu stellen. Wie viel von dem, was wir für vernünftig und richtig halten, entspricht tatsächlich unseren eigenen Vorstellungen?
Im Laufe unseres Lebens übernehmen wir viele Vorstellungen darüber, wie wir zu sein haben und was von uns erwartet wird. Aus den Stimmen anderer Menschen werden irgendwann unsere eigenen inneren Überzeugungen, die wir kaum noch hinterfragen.
In meiner Arbeit erlebe ich, wie befreiend es sein kann, sich dieser Muster bewusst zu werden. Wir beginnen zu erkennen, was uns geprägt hat, und dürfen uns fragen, ob all das heute noch zu unserem Leben passt.
Was macht mir Freude? Was begeistert mich? Welche Wünsche habe ich irgendwann beiseite geschoben?
Wir dürfen uns selbst wieder wichtiger nehmen, ohne deshalb weniger für andere da zu sein.
Für mich gehört zu einem bewussten Leben auch, wieder mehr im Augenblick anzukommen. Offen zu bleiben für das, was uns begegnet, statt ständig auf das nächste Ziel hinzuarbeiten. Die kleinen Dinge wahrzunehmen, über die wir uns freuen können, ohne dass sie einen besonderen Zweck erfüllen müssen.
Wie oft verschieben wir unsere Freude auf einen späteren Zeitpunkt?
Wenn die Kinder größer sind, wenn wir mehr Geld verdienen oder wenn wir endlich den richtigen Partner gefunden haben. Dann, so glauben wir, werden wir Zeit haben, das Leben zu genießen.
Doch kaum ist ein Ziel erreicht, wartet schon das nächste. Während wir versuchen, irgendwann glücklich zu werden, findet unser Leben längst statt.
Dabei begegnen uns so viele kleine Glücksmomente, die wir im Trubel des Alltags leicht übersehen. Ein schönes Gespräch, ein Lied, das uns zum Tanzen bringt, die ersten Sonnenstrahlen am Morgen oder eine unerwartete Begegnung, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Wir müssen nicht immer etwas erreichen, verändern oder verbessern. Wir dürfen auch einfach da sein, neugierig bleiben, staunen und uns überraschen lassen.
Mein kleiner Teddybär hat inzwischen einen Platz in meiner Praxis gefunden. Jedes Mal, wenn ich ihn anschaue, muss ich lächeln. Er erinnert mich an meine kindliche Neugier, meine Begeisterungsfähigkeit und die Freude über die einfachen Dinge. Vor allem erinnert er mich daran, dass all das noch immer ein Teil von mir ist.
Wie schön, wenn uns das Leben auf so unerwartete Weise daran erinnert, welche große Freude uns die kleinen Dinge machen können.
Von Herzen
Beate



