Wenn dich etwas im Aussen berührt, lohnt sich der Blick nach innen.
Kennst du diese Situationen, die eigentlich längst vorbei sind und trotzdem noch Stunden oder sogar Tage in deinem Kopf weiterlaufen?
Jemand kritisiert dich, zieht sich zurück oder gibt dir das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Im Job wirst du übergangen, obwohl du dich immer wieder anstrengst. Du sagst Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst. Oder du gerätst erneut in eine Situation, bei der du denkst: Warum passiert mir das eigentlich immer wieder?
Obwohl der Moment längst vorbei ist, bist du innerlich noch mittendrin. Du gehst ein Gespräch wieder und wieder durch und fragst dich, was passiert ist, was du übersehen oder hättest anders machen können. Der Blick geht dabei schnell nach außen. Du versuchst zu verstehen, warum ein anderer Mensch sich so verhält, was hinter seiner Reaktion steckt oder was du tun könntest, damit sich etwas verändert. Vielleicht kennst du dieses Gefühl, nur noch die eine Erklärung finden zu müssen, die endlich alles verständlich macht und Ruhe in deine Gedanken bringt.
Dabei verlieren wir leicht jemanden aus dem Blick: uns selbst.
Was wäre, wenn die entscheidende Frage in diesem Moment nicht nur lautet: Warum macht der andere das? Was wäre, wenn du dich auch fragst: Warum berührt mich das gerade so sehr?
Für mich beginnt dort der Blick in den Spiegel.
Das Außen als Spiegel zu betrachten bedeutet nicht, dass du schuld an dem bist, was dir passiert. Jeder Mensch trägt die Verantwortung dafür, wie er mit anderen umgeht. Verletzendes Verhalten wird nicht dadurch richtig, dass wir nach unserem eigenen Anteil schauen.
Eine Situation im Heute kann jedoch etwas in dir auslösen, das viel älter ist als dieser eine Moment. Jemand zieht sich zurück und plötzlich spürst du eine Traurigkeit, die viel größer erscheint als das, was gerade passiert. Du wirst kritisiert und beginnst sofort, an dir zu zweifeln. Jemand übersieht dich und es trifft dich tiefer, als du erwartet hättest.
Vielleicht kommt dir dieses Gefühl sogar bekannt vor.
Erfahrungen hinterlassen Spuren. Auch wenn wir uns an vieles kaum noch bewusst erinnern, können Gefühle, Überzeugungen und alte Reaktionsmuster weiter in uns wirken. Eine heutige Begegnung kann etwas davon wieder an die Oberfläche bringen. Der Mensch, der gerade vor dir steht, muss dieses Gefühl also gar nicht verursacht haben. Er kann etwas berühren, das schon vorher da war.

Genau das bedeutet für mich, das Außen als Spiegel zu betrachten. Der Spiegel lädt dich ein, den Blick für einen Moment vom anderen zu lösen und dich selbst wieder wahrzunehmen.
Stell dir vor, du schreibst einem Menschen, der dir wichtig ist, und bekommst keine Antwort. Schnell beginnen deine Gedanken zu kreisen: Warum meldet er sich nicht? Habe ich etwas falsch gemacht? Ist etwas passiert?
Du könntest lange darüber nachdenken. Oder du hältst einen Moment inne und fragst dich: Was löst das gerade in mir aus?
Angenommen, deine Antwort lautet: Ich fühle mich nicht wichtig. Dann bleib einen Augenblick bei diesem Gefühl. Du musst es weder sofort erklären noch verändern. Werde einfach neugierig und frage dich, woher du es kennst.
Vielleicht taucht eine Erinnerung auf. Vielleicht kennst du dieses Gefühl aus einer früheren Beziehung, aus deiner Familie oder aus deiner Kindheit. Vielleicht kannst du überhaupt nicht sagen, woher es kommt. Auch das ist in Ordnung.
Du musst nicht immer die eine Ursache finden. Schon die Erkenntnis „Da ist etwas in mir, das gerade berührt wurde“ kann deinen Blick auf die Situation verändern. In diesem Moment geschieht etwas Entscheidendes: Du bist nicht mehr nur beim anderen, sondern wieder bei dir.
Statt sofort zu reagieren, kannst du einen Moment innehalten und wahrnehmen, was unter deiner ersten Reaktion liegt:
Was fühle ich gerade wirklich?
Woher kenne ich dieses Gefühl?
Was brauche ich jetzt?
Diese Fragen nehmen dem anderen Menschen seine Verantwortung nicht ab. Sie helfen dir aber dabei, zu unterscheiden zwischen dem, was gerade im Außen geschieht, und dem, was dadurch in deiner eigenen Geschichte anklingt.
Darin kann etwas sehr Befreiendes liegen.
Vielleicht bekommst du nie die Erklärung, auf die du wartest. Vielleicht versteht der andere selbst nicht, warum er sich so verhält. Manche Gespräche bleiben offen und manche Antworten kommen nie. Trotzdem kannst du verstehen, was diese Begegnung in dir ausgelöst hat. Du bist nicht mehr darauf angewiesen, dass der andere dir eine Antwort gibt, damit du für dich klarer werden kannst.
Wenn dich also gerade etwas nicht loslässt, versuche für einen Moment, die Gedanken über den anderen ruhen zu lassen. Richte deine Aufmerksamkeit auf dich und werde neugierig auf das, was sich in dir zeigt. Die Antwort kann sofort da sein oder erst später auftauchen. Vielleicht kommt keine Erinnerung, sondern nur ein Gefühl oder ein leiser Gedanke.
Mehr braucht es für den Anfang gar nicht.
Der Spiegel soll dir nicht sagen, was mit dir nicht stimmt. Er kann dir helfen, dich selbst ein Stück besser zu verstehen. Gerade die Situationen, die uns besonders bewegen, können eine Einladung sein, genauer hinzuschauen. Dafür müssen wir schwierige Erfahrungen weder schönreden noch dankbar für jede Verletzung sein.
Wir können uns einfach fragen: Was möchte mir diese Situation über mich zeigen?
Für mich beginnt Bewusstsein dort, wo wir den Blick für einen Moment vom Außen lösen und uns selbst wieder zuhören. Wo wir wahrnehmen, was gerade in uns geschieht, und verstehen lernen, was vielleicht schon viel länger in uns wirkt.
So kommen wir uns Stück für Stück selbst wieder näher.
Wenn du merkst, dass bestimmte Situationen immer wieder starke Gefühle in dir auslösen und du herausfinden möchtest, was dahinterliegen könnte, begleite ich dich gerne dabei. In meiner Begleitung schauen wir gemeinsam auf das, was dich bewegt, und auf die Muster und Zusammenhänge, die darin sichtbar werden.
Mir ist wichtig, dass du selbst spürst und erkennst, was eine Situation für dich bedeutet. Ich schaffe einen Raum, in dem du dir selbst zuhören und deine eigenen Antworten finden kannst.
Von Herzen
Beate



